Montag, Juli 05, 2010

Die besten Plätze

DIE BESTEN PLÄTZE


Als Fritz Schmidt starb, da tat er es so, wie er auch gelebt hatte: wie die meisten anderen auch, indem er eines morgens eben einfach nicht mehr aufwachte.

Seine Seele, die sich bereits vom Körper gelöst hatte, war mit dieser Situation zunächst überfordert und bliebe noch ganze zwei Tage bei ihrem Körper, bevor sie schlussendlich gen Himmel fuhr.

Hier jedoch begegnete man ihr wenig wohlwollend, und Petrus bedeutete ihr unmissverständlich, dass sie den Rest der Ewigkeit keinesfalls in der Gesellschaft von Engeln verbringen würde

Also machte die Seele sich wenig später auf den mühsamen Weg in die Niederungen der individuell ätherischen Reststoffverwertung und fuhr, wie man landläufig sagt, zur Hölle.

Dort angekommen, verstellte der Teufel selbst ihr den Weg und machte ihr unmissverständlich klar, dass es auch hier einer gewissen Qualifikation bedurfte. Genaugenommen, war diese sogar schwerer zu erlangen, als die für die himmlischen Gefilden. Man musste schon einiges leisten, um sich der Hölle würdig zu erweisen.

Damit hatte Fritz Schmidt allerdings nicht gerechnet.

Im Himmel abgewiesen worden zu sein, war seiner Meinung nach gleichbedeutend mit dem Eintritt für die Hölle gewesen.

Zumal man ja am Ende irgendwo bleiben musste.

In diesem Moment, mit dem dem Herrn der Hölle konfrontiert, war es für die Seele Fritz Schmidts an der Zeit, herauszufinden, ob auch sie auf ewig zischen Himmel und Hölle umherirren oder aber ihren Platz in der Hölle bekommen würde.

Satan öffnete seinen Schlund und fragte mit einer Stimme, die so furchterregend durch die ewige Finsternis hallte, dass jede einzelne verdammte Seele bis ins Mark erschauertre:

„Was, Menschenseele, hast du getan, dir deinen Platz in der Hölle zu verdienen?“

Die Seele Fritz Schmidts, die sich gegenüber dem Teufel recht jämmerlich ausnahm, überlegte kurz. Dann antwortete sie wahrheitsgemäß und mit einem nicht allzu guten Gefühl:

„Nichts.“

Einen Moment lang war Schweigen.

Die Seele merkte wohl, dass der Teufel sich etwas mehr erhofft hatte. Und insgeheim bereitete er sich schon darauf vor, für immer und ewig zwischen Himmel und Hölle in Vergessenheit zu geraten, als der Teufel sich plötzlich verneigte, und ihm den Weg freimachte.

Denn jene, die nichts taten, waren von alters her das eherne Rückgrat der Hölle.

Sie füllten ihren Ränge, bestimmten das Schicksal der Welt, und waren der unverrückbare Grundstein der Macht. Wo auch immer ein einzelner wahres Übel tat, brauche jenes Übel um zu gedeihen doch noch immer ein Dutzend von denen die nichts taten.

Jene die nichts taten, waren die Schlimmsten der Schlimmen, was spätestens in dem Moment offenbar wurde, wenn man ihre nächsten abholte, erschlug oder verbrannte.

Der Teufel wusste sehr wohl, dass ohne Seelen wie diese, die Hölle leer und er selbst ein Nichts gewesen wäre. Und eben darum gebührten ihnen hier unten die besten Plätze…

Und schaudernd sah der Teufel Fritz Schmidt nach, als dieser nun seinen rechtmäßigen Platz in der Hölle einnahm...

© christian von aster

1 Kommentar:

Drake hat gesagt…

"Jene die nichts taten, waren die Schlimmsten der Schlimmen"
Wahre Worte...


Danke für diese und andere schöne Geschichten.
Ein geneigter Hörer aus dem Helheim.

PS: Da du ja jetzt einen Kommentar hast, bitte mehr und öfter etwas davon. ;-)